Hildegard von Bingen - Heilkundige des Mittelalters

„Hildegard von Bingen“, Miniatur aus dem Rupertsberger Codex des Liber Scivias
Hildegard von Bingen war eine deutsche mystikerin und schriftstellerin adeliger herkunft und war zudem als ärztin und naturforscherin tätig.
Sie wurde 1098 bei Bingen (Bermersheim, kreis Alzei) geboren und starb am 17. september 1179 in Rupertsberg.
Hildegard von Bingen wurde im kloster Disibodenberg bei Saarbrücken von der nonne Jutta erzogen. Im jahre 1136 wurde Hildegard von Bingen dort äbtissin. In diesem kloster studierte sie sorgfältig alte schriften griechischer, lateinischer, byzanthinischer und arabischer herkunft.
Im jahre 1147/1150 gründete Hildegard von Bingen das benediktinerinnenkloster auf dem Rupertsberg, wo sie als äbtissin wirkte. Im jahre 1165 übernahmen ihre nonnen das kloster Eibingen.
Hildegard von Bingen, die schon als kind zu visionen neigte, war außerdem als schriftstellerin und gelehrte tätig. Ab 1141 schrieb sie ihre visionen in lateinischer sprache auf.
Sie war sehr vielseitig und verfasste sowohl geistliche und mystische schriften, lateinische traktate und 70 selbst vertonte geistliche lieder. Zu ihren schriftlichen hinterlassenschaften gehörten naturkundliche und historische werke. Es ist auch ein umfangreicher briefwechsel von Hildegard von Bingen erhalten. Sie unternahm in ihrem leben mehrere reisen, beispielsweise nach Frankreich, Niederrhein und Süddeutschland.
Einige ihrer mystischen schriften galten als visionär, worauf ihr der beiname "seherin vom Rhein" gegeben wurde. In ihren schriften trat sie u. a. für eine reform des deutschen kirchlichen lebens ein und schilderte den damaligen, vom verfall bedrohten zustand. Besonders bekannt ist ihre schrift "Scivias"
Zu ihren naturwissenschaftlichen werken gehören "Physica" ( ein naturgeschichtlich-medizinischer traktat, 1534 in Straßburg gedruckt) und "Causae et curae", worin sie sich medizinischen problemen zuwendet und volkskundliche heilmittel und behandlungsmethoden aufzeichnet. Bekannt ist auch ihr naturkundliches werk "liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum", das als wichtigste quelle naturkundlicher kenntnisse im frühen mittelalter gilt.
Dabei unterlag den ansichten der Hildegard von Bingen jedoch die magischen vorstellung, dass krankheit eine strafe für sündhaftigkeit sei. Auf der anderen seite tritt sie als in ihren werken als naturkundlerin hervor, da sie in ihnen anfänge einer pflanzenheilkunde bereitstellt. Zudem bietet sie in diesen werken deutsche und lateinische namen für einige hautkrankheiten. Im bereich der hautkrankheiten beschreibt sei ein kleines tierchen, das sie für den auslöser der hautkrankheit krätze darstellt. In bezug auf die heilung von krankheiten nimmt Hildegard von Bingen die position ein, dass heilung nur mit der erlaubnis gottes geschehen kann. Auf der anderen seite empfiehlt sie jedoch auch materielle mittel wie mandragora, zypressenholz und edelsteine, die ihrer ansicht von magie inspiriert sind.

Die biographie der Hildegard von Bingen wurde von den mönchen Godefried und Theoderich überliefert.
Hildegard von Bingen wurde heiliggesprochen, ihr feiertag ist am 17. september und sie gilt als patronin der sprachforscher.
Update: Hildegard von Bingen wurde nun von dem momentanen papst Benedikt XVI zur heiligen der universalkirche erhoben.


Unter verwendung der quellen:
  • Großes Lexikon A - Z, Isis-Verlag, Chur, Schweiz
  • Das DBG-Lexikon in drei bänden, 2. band, Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin, Darmstadt, Wien
  • Brockhaus Enzyklopädie in 20 bänden. 8. band, F.A. Brockhaus, Wiesbaden
  • Reader's Digest Universal Lexikon in drei bänden, 2. band, Verlag Das Beste GmBH, Stuttgart, Zürich, Wien
  • Meyers Grosses Taschenlexikon in 24 bänden, band 9, Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich, Meyers Lexikonverlag
  • Kulturgeschichte Europas, Von der Antike bis zur Gegenwart, (herausgeber: Dr. Fritz Winzer), westermann
  • Illustrierte Geschichte der Medizin, Geschichte der Medizin, der Pharmazie, der Zahnheilkunde und der Tierheilkunde in 6 bänden, bd 3, herausgeber Richard Toellner, hsg der frazösischen originalausgabe J-C Sournia, J Poulet, M Martiny
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