Martin Luther - Theologe, Rebell und Reformator


Martin Luther (bild: wikipedia.de, gemeinfrei)
Martin Luther (geb. 10.nov. 1483 in Eisleben, gest. 18. feb. 1556 ebenda) war ein deutscher religionsreformator.
Martin Luther wurde als der zweite sohn des Hans Luther und dessen ehefrau Margarethe, geb. Lindemann, geboren. Sein vater war ein bauernsohn, dem aber als dem jüngsten sohn nicht der elterliche bauernhof zustand, und der somit gezwungen war sich woanders eine arbeit zu suchen. Daher war der vater Martin Luthers im bergbau tätig und hatte dank seines fleißes und gründung eines eigenen kleinen unternehmens genügend mittel um seinem sohn Martin eine gute schulbildung mit anschließendem universitätsstudium zu ermöglichen.

 Zunächst wollte Hans Luther, dass sein sohn jura studieren möge, aber Martin Luther brach dieses studium nach ca. 3 monaten wieder ab.
Martin Luther beschäftigte sich mit werken von Wilhelm von Gerson, Occam und Peter von Ailli, die darin übereinstimmten, dass die Bibel und nicht die Kirche die einzig unfehlbare religiöse instanz sei.
Im juli 1505 wurde Martin Luther von einem schweren gewitter überrascht. Erschrocken, wie er war, gelobte er der heiligen Anna, mönch im orden der augustinermönche zu werden, falls sie ihm helfen würde. Das gewitter ging vorüber und da er sich bereits schon vorher lange mit religiösen heilsfragen beschäftigt hatte, trat er in das kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein. Dort führte er ein asketisches leben und genoss bald einen guten ruf und durchlebte anschließend die theologische ausbildung seiner epoche. Nachdem er 1510/11 in ordensangelegenheiten  durch Staupitz in einer fußwanderung nach Rom gesandt worden war, wurde er in einen Wittenberger konvent versetzt. 1512 promovierte er zum doktor der theologie und wurde nachvolger des generalvikars Johan von Staupitz für die professur für bibelauslegung.
Trotzdem fühlte Martin Luther sich unzufrieden und beschäftigte sich mit der frage, wie er mit seiner schuld vor Gott bestehen könnte. Keines der damaligen mittel zur läuterung der seele wie z b askese oder mystik schien ihm zu diesem zweck geeignet. Luther durchlebte eine große sinnkrise und übte starke selbstkritik. Je mehr er einerseits praktisch an sich arbeitete und auf der anderen seite religiöse forschung betrieb um so mehr erlebte er eine große kluft zwischen religiösem erleben und religiöser forschung. In dieser zeit bahnte sich für ihn allmählich der grundgedanke seiner zukünftigen reformationsarbeit an. Die endgültige einsicht kam Luther während eines sogenannten "turmerlebnisses" im Wittenberger Kloster, wo ihm anhand des bibelverses Röm.1, 17 klar wurde, dass göttliche gerechtigkeit und gnade keine leistung der menschen sei, sondern ein geschenk Gottes an die menschen sei.
Motiviert durch seine kritische einstellung gegen den ablasshandel und das auftreten des ablasshändlers Tetzel von Jüterbog sowie eigene erfahrungen zu dem thema "ablässe" aus dem beichtstuhl schlug Martin Luther seine 95 thesen über die kraft des ablasses an der schlosskirche zu Wittenberg an. Die thesen waren als grundlage für einen akademischen disput zu dem thema "ablässe" gedacht. Doch die thesen schlugen weit höhere wellen als Luther es sich selbst vorstellte und man kann sie als den beginn der reformation ansehen. Es folgten anzeigen in Rom und ein daraufhin geführter ketzerprozess. Der kurfürst von Sachsen (Friedrich, der Weise) setzte durch, dass Luther in Augsburg und nicht in Rom vernommen würde und zwar durch einen gewissen Cajetanus. Martin Luther widerrief seine thesen nicht und der kurfürst verweigerte seine auslieferung nach Rom.
Während der disputation in Leipzig erkannte Luther den großen unterschied zwischen seinen ansichten und den offiziellen ansichten der kirche. In einem streitgespräch mit J. Eck vertrat er die these, dassdas papsttum eine rein menschliche einrichtung sei und daher auch fehlbar sei. Die kirche sendete daraufhin eine bulle mit der androhung des bannes. Doch Luther widerrief nicht, sondern verbrannte die bulle zusammen mit scholastischen schriften am Elstertor in Wittenberg. Das war die endgültige trennung zwischen Luther und der kirche.
Im jahre 1520 widmete Luther sich der anfertigung von religiöser schriften. In diesen schriften vereinigte Luther zwei kritische ansätze: die bibel sollte zur grundlage des glaubens und der kirchenwesens sein und weiterhin die kritik an den verhaltens- und sittenschäden der offiziellen kirche.
Nach der krönung von Karl V. zum kaiser gab dieser Luther aus politisch-diplomatischen gründen die möglichkeit sich vor dem reichstag in Worms für seine ansichten zu verantworten. Zwei verhandlungen 1521 konnten Luther nicht dazu bewegen seine äußerungen öffentlich zu revidieren. Dies führte dazu, dass im Wormser edikt die reichsacht über Luther und seine sympathisanten verhängt wurde
Doch Luther hatte mächtige freunde. Der kurfürst nahm ihn offiziell gefangen, und brachte ihn unbemerkt auf die Wartburg, wo er unter dem decknamen "Junker Jörg". Dort nahm Luther die gelegenheit wahr und übersetzte in den nächsten zehn monaten das Neue Testament auf der grundlage der griechisch-lateinischen Ausgabe des Erasmus. Doch das religiöse umfeld war insgesamt unruhig. So versuchte eine radikale religiöse gruppe mit dem namen "Zwickauer Propheten" einen gewaltsamen aufstand, woraufhin Luther gegen den willen des kurfürsten sein versteck verließ und durch predigten (invocavit-predigten) die politische ruhe wieder her.

Luthers ideen hatten mittlerweile viele interessenten gefunden und im jahr 1525 hielt Luther es für angebracht die reinheit seines werkes durch die distanzierung von anderen strömungen zu schützen. Zu diesen strömungen zählten die auf ihn schwärmerisch wirkenden wiedertäufer, die sozial-revolutionären ideen der bauern und Thomas Münzer (die später zum bauernkrieg führten, die soziale kritik des Thomas Münzer und die sozial-revolutionären ideen der bauern lehnte Luther mit der "begründung" ab, dass die obrigkeit (d.h. die herrschenden) von Gott gesetzt sei) und ethisch- und bildungsorientierte strömung des humanismus. In einem schriftlichen grundsatzstreit mit Erasmus erklärte Luther die menschliche willensfreiheit durch die erbsünde aufgehoben.
Der mensch sei auf den über über der vernunft stehenden glauben und auf die gnade Gottes angewiesen.
Der unsensible und inkompetente umgang des dr. Martin Luther mit berechtigten sozialen fragen seiner zeit ist ein dunkler fleck in seiner biographie. Er hat in der sozialen frage des bauernkrieges vollkommen versagt und berief sich statt dessen auf einen ausspruch von Jesus Sirach: "Dem Esel gehört sein Futter, Last und Geißel." Damit setzte er die bauern einfach tieren und eseln gleich. Luther erfasste nicht den vitalen wert und die wertarbeit der bauern für die gesellschaft, sondern sah in ihnen nur eine art nutztiere, denen keine menschenrechte zustanden.

Im jahre 1524 während des bauernkrieges legte Luther die ordenstracht ab und heiratete die ehemalige nonne Katharina Bora, aus dieser ehe stammten drei söhne und drei töchter.
In den darauf folgenden jahren kam es zu einem innerkirchlichen aufbau eines landeskirchentums in Kursachsen. Für diese kirchengründung schuf der reichstag in Speyer 1526 die rechtsgrundlage. Für das reichrechtliche dasein des protestantismus legte das Augsburger Bekenntnis "Confessio Augustana" (zum großen teil ein werk Melanchthons, aber von Luther akzeptiert) die grundlage. In diesem Augsburger Bekenntnis wurde die gleichberechtigung der gläubigen protestanten sowie die reichsgesetzliche anerkennung der protestantischen fürsten und stände festgelegt.

Luthers weiteres leben war seinen wissenschaftlichen arbeiten als professor gewidmet und der übersetzung der bibel, zu der auch ein katechismus und ein gesangbuch verfasst wurde. Die erste vollbibel wurde 1534 zusammen mit dem katechismus und einem gesangbuch veröffentlicht. Das Alte Testament übersetzte Luther nach dem hebräischen text und der griechischen übersetzung dieses textes in der "Septuaginta".
Die bibelübersetzung des Luther wurde zur grundlage der bildung einer allgemeinen deutschen hochsprache.
Ein historischer vorteil zur verbreitung der bibel war, dass Johannes Gutenberg (um 1397 - 1468) mit der erfindung des buchdrucks eine notwendige grundlage für die mediale verbreitung von büchern geschaffen hatte.

Nach Luthers lehre ist die bibel die einzige quelle des glaubens. Die kirche ist seiner auslegung nach eine versammlung der herzen in einem (einzigen) glauben. Nach Luthers lehre soll es kein hierarchisch strukturiertes priestertum geben, die gemeinden können aber kirchendiener für predigt und sakrament wählen. Luther vertritt die sola-fides-lehre, nach der die menschlichen werke nicht ausschlaggebend sind, sondern alleine der glauben an Jesus Christus relevant ist. Es gibt in der kirche nach Luther nur zwei sakramente: die taufe und das abendmahl. Keinen platz in Luthers lehre haben fegfeuer, ablass, fürbitte für verstorbene und die verehrung von heiligen.

Wichtige Werke Luthers (neben der bibelübersetzung) waren:
  • An den christlichen Adel deutscher Nation
  • Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche
  • Von der Freiheit eines Christenmenschen



 Unter verwendung der quellen:
  • Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden, bd 11, F.A. Brockhaus Wiesbaden
  • Das DBG-Lexikon in drei bänden, bd 2, Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin, Darmstadt, Wien
  • Bertelsmann Universal Lexikon. Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Gütersloh
  • Stauffacher Hauslexikon in einem band, Stauffacher-Verlag AG, Zürich, Frankfurt, Innsbruck, Lausanne, Paris, Brüssel
  • Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit, bd 1, dtv sachbuch